Mittwoch, 17. Mai 2017

Jakobs mit k

Ein Hinweis auch in eigener Sache: Wenn Ihr Namen schreibt, schreibt sie richtig. Falls es irgendwo ein Regelwerk zum guten Verfassen von Texten gibt, steht das unter den TOP 3. Für Journalisten, überhaupt professionell Schreibende, Sachbearbeiter, Lehrer und sonstige Formularausfüllende. Namen müssen korrekt geschrieben werden.

Die richtige Schreibweise von schwierigen Namen zeugen von Respekt einer Person gegenüber. Es bedeutet: Ich habe genau hingeschaut. Und mich bemüht, Dich korrekt darzustellen. Das richtige Abschreiben von Namen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Phonetisch komplizierte Namen müssen erfragt werden - aber das wissen die Betroffenen ja selbst und liefern hilfreiche oder witzige Eselsbrücken.

Wenn man vermeintlich einen Markennamen trägt, so wie ich, passieren offenbar Automatismen visueller Natur. Die Menschen visualisieren eine Kaffeepackung und "wissen", wie Jakobs geschrieben wird. Es wird nicht mehr hinterfragt.

Manchmal, wenn mir Zusammenhänge wirklich wichtig sind, mag ich über Jacobs nicht großzügig hinwegsehen. Alle Meiers, Mayers, Hanna(h)s, Çeliks, Beresovskis kennen das. Darum: Schaut hin, fragt nach und schreibt uns bitte richtig.

Dienstag, 2. Mai 2017

Ich bitte um Ihre sachliche Freigabe

Seit ein paar Wochen schule ich gemeinsam mit einem Sportredakteur junge Vereinsmitglieder in der Pressearbeit. Die jungen Ehrenamtlichen sollen lernen, die Rolle des Medienverantwortlichen für den Verein zu übernehmen und intern wie extern zu kommunizieren, Print und Online. Gerade bereite ich die nächste Sitzung vor, in der es neben Medienrecht um Workflows gehen soll. Also um Planung und Zusammenarbeit.

Ein Punkt sind Freigaben. Deutschland tickt da anders als andere Länder. In den USA ist es absolut unüblich, einen Text vom Gesprächspartner freigeben zu lassen. In Deutschland ist die Freigabepraxis verbreiteter. Allerdings ist es Good Will des Journalisten, etwas vorzulegen. Müssen muss er das keineswegs, Pressefreiheit, Ihr erinnert Euch. Jedoch fordern immer mehr Politiker und Unternehmens-Kommunikationsleute dies ein. Die taz hatte vor Jahren mal einen Titel, der vor knallschwarzen Durchstreichungen nur so strotzte. Damit hatte sie inhaltsentstellende, weichgespülte Korrekturwünsche von Gesprächspartnern kritisiert.

Im Corporate Publishing verhält sich das etwas anders. Denn das ist kein obektiver, der Wahrheit verpflichteter Journalismus, sondern journalistische Unternehmenskomunikation. Da kann man als Lohnschreiber leicht zwischen die Räder der Unternehmenspolitik geraten - die man als Externer eh nie durchschaut.

Man ist also gut beraten, Fakten und O-Töne vom Gesprächspartner freigeben zu lassen. Meist klappt das echt gut, wenn man die Formulierung "ich bitte um Ihre sachliche Freigabe" benutzt. Neulich hatte ich aber wieder so einen Fall, wo mir ein kompletter Texteinstieg umgeschrieben wurde. Präziser wurde er dadurch nicht, auch wurden die Fakten gar nicht angetastet. Einfach ein Fall von "och, das finde ich jetzt nicht so schön, das formuliere ich flugs um".

Man ist immer grundverunsichert, wie man damit umgehen soll. Es hängt von der Abteilung im Hause ab, welches Standing man da hat. Und natürlich von der Redaktion, für die man arbeitet. Im Zweifel stehen denen vielleicht die Kollegen näher als die Lohnschreiberin. Weiß man nicht.

Um so dankbarer bin ich dem Blogpost von Rebecca Sommer, Journalistin und Sozialarbeiterin und auch im Sozialen Bereich/ Corporate Publishing unterwegs. Sie hat ein paar sehr hilfreiche Tipps (basierend auf treffender Beobachtung) zusammengetragen, wie mit Autorisierungen umgegangen werden kann. Ergänzt um: Liebe Autorisierende, bitte nutzt die Kommentarfunktion!
Aber das ist vielleicht ein anderes Thema.

Dienstag, 21. Februar 2017

Gucken statt lesen - Visual Storytelling

Die Bloggerin irrte. Vor Monaten habe ich behauptet, dass Storytelling per Snapchat für die Pflege nicht das Kommunikationsmittel der Wahl ist. Ich rudere zurück: Visual Storytelling wird immer relevanter. Damit muss sich auch die Pflegebranche auseinandersetzen, hilft nix.

Bereits letztes Jahr hatte Instagram eine Aufholjagd zu Snapchat gestartet und ebenfalls Storys eingeführt. Die Instagram-Storys können im Vergleich einfacher und intuitiv erstellt werden - dies verschiebt die Zielgruppe Richtung Erwachener.
Im Oktober folgte die Einführung von Bildbearbeitung direkt in der App bei Whatsapp. Auch hier kann man seinem Selfie jetzt lustige Krönchen aufsetzen oder den Inhalt seines Kühlschranks beschriften. Eine Video-Statusmeldung, die sich nach einer definierten Zeit löscht, folgt dieser Tage.

Texte werden unwichtiger

Damit hat die juvenile App Snapchat ernsthafte Konkurrenz bekommen - bei den erwachsenen Usern nämlich, die Whatsapp jeden Tag ganz selbstverständlich benutzen. Und damit ist das Visuelle Storytelling (so heißt das Kind) in der Mitte der Userschaft angekommen.
Was bedeutet das? Wie der einflussreiche PRler und Blogger Klaus Eck in seinem Text Content-Marketing der Zukunft meint: "Videos und Bilderwelten sind sehr populär. Demgegenüber werden Texte in den kommenden Jahren noch unwichtiger werden. Sie erzielen nicht mehr genügend Aufmerksamkeit. Wir haben es gelernt, Online-Texte nur noch zu überfliegen, statt sie wirklich zu lesen. Demgegenüber verbringen wir immer mehr Zeit mit Videos zu. [...] Es gibt eine großartige Zukunft für das Visual Storytelling, welches uns auf den führenden Social-Media-Plattformen Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat und Youtube verzaubert. Besonders auf den Stories bei Snapchat und neuerdings Instagram sieht man, wie Text, Bild und Video immer mehr miteinander verwoben werden."

Wie die Unternehmenskommunikation in der Pflege dies nutzbar machen kann? Konkret weiß ich das (noch) nicht. Klar ist: Es geht sicher nicht darum, lustige Bildchen zu zeigen, sondern um das Erzählen von Storys in der Verknüpfung von Text, Foto, Bewegtbild. Dazu braucht es eine Story, die erzählenswert ist sowie eine gute Idee, wie sie umgesetzt werden kann. Das erfordert echt Umdenken, denn in dieser Disziplin verfügt die Pflege über keinerlei Erfahrung. Eins weiß ich aber: Das Unternehmen, das Visual Storytelling zuerst schlau einsetzt, setzt wirklich eine Marke.
Vielleicht aber nicht per Snapchat.

Freitag, 3. Februar 2017

Reputationsmanagement in Zeiten des Bowling Green Massakers

Im November 2016 hat mit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA eine neue Zeitrechnung begonnen. Auch für die Medien. Auch für die Unternehmenskommunikation, wie ich meine. Wir haben 2016 staunend von Fake News gehört, haben verblüfft gelernt, dass es tatsächlich eine Fake News-Industrie gibt. Zwei Tage nach Trumps Inauguration hörten wir zum ersten Mal von alternativen Fakten: Trumps Beraterin Kellyanne Conway hatte diesen schönen Begriff geprägt, als man krampfhaft versuchte, die anwesende Menschenmenge doch noch groß zu reden.

Heute lerne ich wieder Neues, wieder von Kellyanne Conway (bitte benachrichtigt mich, wenn der Fanclub gegründet wird): Es habe 2011 ein Massaker in Ohio gegeben, begangen von zwei Irakern. Dies, so Conway, rechtfertige am Ende Trumps umstrittenes Einreiseverbot. Das berüchtigte Bowling Green Massaker.

Naja, man kann sich drüber lustig machen (und tut es aus lauter Verzweiflung auch), wenn Sachverhalte so dermaßen offensichtlich gelogen sind, dass sich die Balken biegen. Ich habe gerade das tolle Wort "Realitätsdesign" dazu gelesen.
Postfaktisch ist eine andere Beschreibung: Erregung macht die Recherche und das Abwägen zunichte. Die gefühlte Realität ist die beherrschende. 

Anfällige Pflegebranche 

Fake News und/ oder übergroße Erregung sind auch für Unternehmen eine große Gefahr. Und wie ich meine, sind besonders Unternehmen der Altenpflege anfällig dafür. Schließlich argwöhnt man ohnehin, dass hinter verschlossenen Altenheim-Türen schreckliche Dinge vor sich gehen. Viele Einrichtungen bemühen sich deshalb intensiv um Transparenz, um Öffnung ihrer Einrichtung in das städtische Leben, und tun gut daran.

Facebook ist aber nicht das städtische Leben. Die Transparenz, die eine Einrichtung auf lokaler Ebene lebt, ist auf Facebook nicht unbedingt sichtbar. Reputationsmanagement ist dieser Tage eine Fertigkeit, die Führungskräfte in der Altenpflege kaum hoch genug ansiedeln können.

Reputationsmanagement hat immer mit der Art und Weise von Kommunikation zu tun. Sehe ich, dass meine Einrichtung auf werpflegtwie.de schlecht geratet ist, muss ich mich positionieren. Lese ich, dass meine Mitarbeiter sich auf Kununu verbittert über mich auslassen, muss ich reagieren. Und glaubhaft darlegen, dass ich an den Bedürfnissen meiner Mitarbeiter Interesse habe, zuhöre und Maßnahmen ergreife. Beschwert sich ein Angehöriger auf Facebook, muss ich seine Anschuldigungen ernst nehmen, prüfen und wahrhaftig zurückantworten. In meiner Einrichtung muss ich Gerüchten offen entgegentreten und transparent und geduldig Fakten darlegen.
Angriffe auf die Reputation sind Angriffe auf die Glaubwürdigkeit einer Person, eines Produktes, eines Unternehmens. Also muss ich selbstkritisch fragen, wie berechtigt diese Angriffe sind: Hat es vielleicht tatsächlich Fehler gegeben?

Ganz altmodisch: Höflichkeit und Wahrhaftigkeit

Eigentlich ist das alles nichts Neues. Das sind grundlegende, soziale Regeln von Kommunikation: Einer redet, der andere hört zu und hält Gegenrede. Weichgespültes Marketingsprech hat da nichts zu suchen. Versuche, Informationen kleinzureden oder zu unterdrücken, können im Gegenteil zum so genannten Streisand-Effekt führen: Informationen werden in kürzester Zeit einer maximalen Menge von Menschen bekannt. Kellyanne Conway erfährt das gerade.

Bleiben Sie wahrhaftig.Verbiegen Sie sich nicht. Seien Sie transparenz. Seien Sie sensibel. Und seien Sie geduldig. Das ist das, was Sie ganz persönlich tun können im Moment. Vielleicht entziehen wir den Kellyannes auf diese Weise den Boden.

Übrigens: Kellyanne rudert schon zurück. Sie meinte nicht das "Bowling Green Massacre", sondern die "Bowling Green Terrorists". Die gab es tatsächlich: Sie waren an Anschlägen auf US-Soldaten im Irak beteiligt.


Mittwoch, 7. Dezember 2016

Idee und Herzblut

Wenn man schwanger ist, sieht man überall nur noch Schwangere. Wenn man sich gerade intensiv mit Bewegtbildern im Internet auseinandersetzt, merkt man, wieviele Minivideos anstatt Fotos in den Sozialen Medien längst genutzt werden.

Ein großer Einrichtungsbetreiber verlost gerade vorweihnachtliche kleine Geschenke. Etwa Konzertkarten. Die werden nicht einfach auf einem Tisch liegend fotografiert. Sondern es wird Glitzerkonfetti auf die Karten gestreut und ein drei-sekündiger kleiner Clip draus gemacht. Süße Idee! Solche Ideen können auch in der wenig technikaffinen Pflegebranche schnell und problemlos umgesetzt werden. Und sie sind so viel charmanter als das tausendste "Ich arbeite gerne in der Pflege weil ..."-Video.

Wer einen Sack voller guter Ideen sucht, wird fündig in einem ganz anderen Bereich: im Sport. Seit Anfang 2016 läuft beim Landessportbund NRW die Kampagne "Beim Sport gelernt". Hintergrund ist, dass Sport ebenso bildend wie Schule, Studium oder Ausbildung ist, das aber den Menschen kaum bewusst ist.
Ein Bestandteil der Kampagne ist ein Videowettbewerb. Sportler oder Vereine erzählen, was sie beim Sport gelernt haben und stellen auf die Kampagnenseite. Die Resultate erzeugen teilweise echt Gänsehaut, weil die Menschen so stolz sind und so viel Spaß an ihrem Sport haben. Und by the way habe ich dadurch erfahren, dass es Kunstradfahren gibt ... Sport bildet :-)
Das Wichtige: Die Leute haben was zu erzählen! Sie haben ein Thema. Und sie haben Herzblut. Die Technik ist dabei völlig wumpe. Ob das Handy beim Filmen wackelt, ob es einen Schnitt gibt, ob Musik drunterliegt: total egal. Ich glaube, dass das problemlos von der Altenpflege adaptierbar ist. Wenn etwas Spannendes, Witziges, Berührendes erzählt wird, reicht schrömmelige Technik, unkundig bedient absolut aus. Hauptsache, es wird nicht der nächste "Ich liebe Altenpflege weil ..."-Film gedreht.


Mittwoch, 30. November 2016

Das bewegte Bild

Diese Woche ist bewegt. Nicht, weil viel passiert. Sondern weil mich das Thema Bewegtbild völlig bannt. Zwei Tritte vors Schienbein hat´s gebraucht. Ich berichte.

Mit Andrea von cliniqo war ich bei einer Tagesveranstaltung zu "Social Media für KMU". Dort wurde uns einmal mehr "VideoVideoVideo" eingetrichtert. Zu Recht, klar. Gerade auf den Kanälen Facebook, Twitter, auch Xing sind Videos längst notwendig. Weiß ich alles. Mein Problem ist ein Qualitätsproblem: Für den Business-Bereich finde ich Handyvideos wirklich drunter. Es wackelt, hat keine Schärfe, ist nicht ordentlich ausgeleuchtet, hat keine gescheite Kameraposition, ist nicht geschnitten. Die Hürde, selbst ein Video zu machen, finde ich immens hoch. Egal, ob es für mich selbst sein soll oder gar - noch hürdiger - im Auftrag.

Nun hat uns jedoch die Referentin der Social Media-Veranstaltung ein paar Beispiele aus ihrem eigenen Unternehmen gezeigt: Kleine charmante Handyvideos, die das Unperfekte gerade herausstellen. Ein Blick hinter die Büro-Kulissen als Gruß an eine Kollegin zuhause. Da kann es wackeln und duster sein. Die Geste zählt - und damit übrigens auch die Likes!
Hm. Dann zeigte sie uns die App Boomerang, mit der man lustigen Bewegtbild-Schabernack treiben kann. Zuhause habe ich weitere Apps heruntergeladen, eine SloMo-App etwa und die  Rückwärts-App "Reverse". Die Ideen, was ich damit nun anstelle, entstehen gerade. 
Wichtiger ist allerdings eine Schnitt-App für Dummies. Damit kann man wenigstens mal kleine Stücke sinnvoll zusammenmontieren. Und vielleicht steigert sich mit dem Tun auch die Qualität, ist meine Hoffnung.
Also: Nieder mit der Hürde *ignore*

Mich ereilte diese Woche außerdem die Erfahrung, an einem professionellen Video beteiligt zu sein. Gemeinsam mit Werner Krüper, dem aus meiner Sicht besten Fotografen im Bereich der Altenpflege, habe ich für einen Kunden ein dreiminütiges Video erstellt. Es öffnet eine weitere Erzählebene einer Geschichte, die im Mitarbeitermagazin (Print) des Kunden erscheinen wird. Das Wichtige an diesem Film: Das ist kein Hochglanz-Imagefilmchen, sondern ein eher dokumentarisches Stück zu einem konkreten Thema. Nicht geschrieben, sondern eher spontan entstanden, mit dem, was die Leute erzählt haben. Auswahl und Schnitt haben wirklich lange gedauert, aber am Ende haben wir eine schöne Narration hinbekommen. Geht aber nur mit Profi, so was kriegt man alleine niemals hin.

Zwei ganz verschiedene Herangehensweisen an das Video-Thema. Einmal die Augen-zu-und-durch-Variante, dann die professionelle Variante, die mit Kosten, Zeit, Know-How und Ressourcen vor Ort verbunden ist. Meine Aufgabe wird nun zukünftig darin bestehen, auszuloten, was man mit welcher Variante erzählen kann, wo was einsetzbar ist. Für die Pflege hab ich ja ´ne Meinung, aber dazu ein anderes Mal.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Einblicke und Ausblicke

Gestern fand wieder eine meiner Lieblings-Branchenveranstaltungen statt: der jährliche Kongress "Marketing für Senioreneinrichtungen" in Düsseldorf. Ich war jetzt zum vierten oder fünften Mal in Folge dort und kann so langsam Entwicklungen sehen. Wer am Kongress teilnimmt, weiß ich eigentlich nicht so recht. Sind das eher Leute, die sich eh schon auf den Weg gemacht haben und ein Grundverständnis haben, warum man den ganzen Quatsch eigentlich machen sollte? Oder eher Verantwortliche, die da hingehen, um mal zu schauen, ob sie Argumentationshilfen und konkrete Ideen bekommen können? Ich frag bei Gelegenheit mal den Veranstalter - der hat das doch sicher mal erhoben. 

Verwundert haben mich gestern die beiden Eröffnungsvorträge, die echt Marketingbasics waren. Eigentlich haben die Referenten berichtet, dass sie jetzt systematisches Marketing betreiben. DAS ist in der Pflegebranche tatsächlich schon einen Vortrag wert! Hm.

Verwundert bin ich auch immer, wenn eine Einrichtung darauf hinweist, ihre Fotos selbst produziert zu haben: "Das sind alles unsere Senioren und unsere Mitarbeiter! Wir benutzen grundsätzlich keine Stockfotos!" Das ist übrigens durchgehendes Motiv in den letzten Jahren: Dass eigene Fotos eine kluge Idee sind, scheint sich langsam rumzusprechen. Wenn dann die "eigenen" Senioren auch noch Spaß haben und nicht nur hilfebedürftig abgebildet sind, sitzend, mit umfassender Pflegekraft von hinten, beide milde lächelnd in die Kamera blickend, ist die Freude um so größer. In solchen Momenten finde ich meine Branche sehr speziell. 

Spannender wurde der Nachmittag, da ging es nämlich um "Marketing und Neue Medien", und ab da wurden (fast) auch keine Folien mehr vorgelesen (ich schreibe irgendwann mal einen Blogbeitrag über das Vorlesen von Folien *keepinmind*). Da ging es dann um Social Media, und da hat man wirklich die ein oder andere gute Idee mitnehmen können - etwa im Bereich Targeting und Analyse.

Besonders interessant und in seiner Brisanz fast ein bisschen untergegangen war jedoch ein Wettbewerbsgewinner (Bereich Versorgungsmanagement): Der betreut nämlich pflegebedürftige Menschen, die durch die Versorgungskette fallen, und organisiert denen Leistungen, die teilweise gar nicht abrechenbar sind; er finanziert dies etwa mit Hilfe von Stiftungen. Ich habe das als Klatsche empfunden: Da feiert man den ganzen Tag Marketingkonzepte "regulärer" Einrichtungen und Betreiber ab - und dann gewinnt ausgerechnet jemand, der sich um die kümmert, die aus welchen Gründen auch immer nicht "im System" sind. Sehr spannend und auch ein bisschen deprimierend.